Blutkulturen

Letzte Aktualisierung: 02.02.2018

Verfügbar an den Standorten:Gelsenkirchen, Siegen, Iserlohn
Präanalytik:

Indikation

  • Klinischer Verdacht auf eine Sepsis oder einen septischen Schock
  • Verdacht auf systemische Beteiligung bei lokalisierten Infektionen (bspw. Meningitis, Pneumonie, Pyelonephritis, Osteomyelitis, Abszessen etc.)
  • Verdacht auf Endokarditis, Spondylodiszitis oder katheterassoziierten Infektionen, Infektionen von Fremdmaterial (künstliche Herzklappen, Gefäßprothesen etc.), Osteomyelitis im Kindesalter
  • FUO (fever unknown origin)
  • Jedes Auftreten von Temperaturen > 38°C bei neutropenen Patienten
  • Verdacht auf zyklische Infektionserkrankungen wie bspw. Typhus oder Brucellose

Probengewinnung

  • Entnahmezeitpunkt:
    • Bei Auftreten der klinischen Symptome
    • Unbedingt VOR Beginn einer antibiotischen Therapie
    • Bei notwendigen Abnahmen unter Therapie: VOR der nächsten Dosisgabe oder ggf. nach 24-48 stündiger Therapiepause
  • Entnahmeort:
    • Üblicherweise Punktion einer peripheren Vene
    • Kein Vorteil einer arteriellen gegenüber einer venösen Entnahme
    • Bei Entnahme aus intravasalen Kathetern höheres Kontaminationsrisiko gegenüber einer peripheren Punktion
  • Hautdesinfektion:
    • Unzureichende Hautdesinfektion ist die häufigste Ursache einer Kontamination von Blutkulturen
      1. Mechanische Desinfektion der Punktionsstelle
      2. Desinfektion der Punktionsstelle mit 60 Sekunden Einwirkzeit
      3. Abwarten der vollständigen Trocknung des Desinfektionsmittels
  • Beimpfung der Blutkulturflaschen:
    • Nach Entfernung der Schutzkappe Desinfektion der Beimpfungsstelle der Blutkulturflasche mit ausreichender Einwirkzeit bis keine Desinfektionsmittelreste mehr sichtbar sind
    • Optimale Blutmenge pro Blutkulturflasche: 10 ml (Minimum: 3ml). Die Sensitivität des Keimnachweises aus Blutkulturen steigt mit jedem ml
  • Anzahl der Blutkulturen:
    • höchste Sensitivität für einen Keimnachweis durch Abnahme von 3 Blutkultursets (durch 3 unterschiedliche Blutentnahmen)
    • Wenn möglich Abnahme zu verschiedenen Zeitpunkten innerhalb 24 Stunden (bei dringlicher Antibiotikatherapie gleichzeitige Abnahme)

Lagerung (wenn notwendig)

  • Schnellstmöglicher Transport ins Labor ohne lange Lagerung immer anzustreben
  • Wenn unbedingt nötig Lagerung vorübergehend bei Zimmertemperatur (25°C) (bitte die Herstellerangaben beachten)

Wichtige Angaben auf dem Einsendeschein

  • Sachgemäße Beschriftung jeder einzelnen Blutkultur-Flasche (am besten mit Datum und Zeitpunkt der Entnahme). Bitte den Flaschenboden nicht bekleben.
  • V.a. auf hochansteckende Erkrankungen wie beispielsweise Brucellen oder Meningokokken
  • V.a. Endokarditis
  • Weitere wichtige klinische Hinweise wie bsp. Neutropenie, Immunsuppression, Katheterinfekt für eine bessere Interpretation der Ergebnisse
  • Hinweise über Antibiotikatherapie

Routineuntersuchungen:
  • Mikroskopie
  • Allgemeine Bakteriologie (aerob / anaerob)
  • Erregerdifferenzierung
  • Empfindlichkeitstestung

 

Spezialuntersuchungen:
  • Hefen: eine gesonderte Untersuchung auf Hefen in der Blutkultur ist in der Regel nicht notwendig, da sie in den Bereich der Routinediagnostik fällt. Ausnahme: Vorbefund mit Hefen – in diesem Fall wird auf dem mikrobiologischen Befund auch explizit auf negative Untersuchungsergebnisse hingewiesen.
  • Schimmelpilze: Blutkulturflaschen für automatische Blutkulturdetektionssysteme sind in der Regel nicht für den Nachweis von Schimmelpilzen geeignet. Bei Verdacht auf eine Aspergillose eignet sich besser ein Nachweis von Schimmelpilz-Antigenen (sog. Galaktomannan-Test) aus Serum.
  • TBC: Für eine Untersuchung auf Mykobakterien im Blut ist die Einsendung in Blutkulturflaschen unzweckmäßig und wird daher nicht mehr durchgeführt. Eine Untersuchung auf Mykobakterien im Blut ist sehr selten diagnostisch sinnvoll (z.B. bei progredienter HIV-Infektion mit CD4-Zellen < 200 Zellen / µl). In solchen Fällen bitten wir um eine telefonische Rückmeldung. (benötigtes Material: 5ml Citrat- oder Heparinblut)
  • Legionellen: Blutkulturflaschen für automatische Blutkulturdetektionssysteme sind nicht für den Nachweis von Legionellen geeignet. (Legionellennachweis über Ag-Nachweis aus Urin
Besonderheiten:
  • Die Abnahme von Kontrolluntersuchungen wird nach 72 Stunden (Anmerkung: unser TBS BKKONT empfiehlt eine Kontrolle nach 4-7 Tagen…) unter Therapie in folgenden Situationen empfohlen: Endokarditis, S. aureus – Bakteriämie, Fungämie, in-situ Therapie von Katheterinfektionen ohne Materialentfernung (sog. lock-Therapie)
  • Abnahme von Blutkulturen bei Kindern:
    • aufgrund der höheren Keimzahl pro ml Blut bei Kindern ist eine geringere Blutmenge ausreichend (1-5 ml, Früh- und Neugeborene min. 0,5 ml besser 1-2 ml)
    • Spezielle Blutkultur-Flaschen für Kinder mit einer Beimpfungsmenge von 1-3 ml. sind erhältlich. Da aus diesen eine Anaerobier – Diagnostik nur schwer möglich ist, empfiehlt es sich bei Kindern > 20 kg eine übliche Blutkultur-Serie mit jeweils 5ml Blut zu beimpfen
    • Faustregel: nie mehr als 1% des Blutvolumens entnehmen
Hinweis:
  • Das Beimpfen von Blutkultur-Flaschen mit Punktaten (insbesondere aus polymikrobiell besiedelten Bereichen), Bronchioalveolärer Lavage oder Liquor kann ZUSÄTZLICH zur Einsendung von Nativpunktat in einem sterilen Röhrchen sinnvoll sein, vor allem wenn längere Lagerungs- oder Transportzeiten zu erwarten sind. Als alleinige Untersuchung für Punktate eignet sich diese Methode jedoch nicht, da sich keine Aussage zur Keimzahl oder Menge von Entzündungszellen treffen lässt.